Maggi Werbung mit Hausfrau aus den 40er Jahren
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Bild: Creative Commons

Hausfrauenparadies Schweiz

    Hausfrau an der Arbeit 1976
    Hausfrau an der Arbeit 1976
    Bild: ETH Bibliothek, Comet, Sonderegger Christoph 1976
    Die Wohnung war das Reich der Frau. Dazu gehörte das Kochen, das Putzen und die Kindererziehung.
    Eine gute Schweizer Hausfrau kochte gut, hielt das Haus sauber und war eine gute Mutter.
    Das Schweizer Schulsystem orientiert sich bis heute an der nicht erwerbstätigen Hausfrauen, Kinderbetreuung und Tageschulen werden nur für eine Minderheit angeboten.
    Eine nicht erwerbstätige Hausfrau zu haben, war auch ein Zeichen des Wohlstandes.
    Das Schweizer Schulsystem orientiert sich bis heute an der nicht erwerbstätigen Hausfrauen, Kinderbetreuung und Tageschulen werden nur für eine Minderheit angeboten.
    Hausfrau an der Arbeit 1976
    Bild: ETH Bibliothek, Comet, Sonderegger Christoph 1976
    Haushaltunterricht

    Lernen eine gute Hausfrau zu sein

    Seit über hundert Jahren werden junge Mädchen im Kochen und in der Hauswirtschaft unterrichtet. Eine gute Hausfrau gibt wenig Geld aus, sie macht vieles selber und trägt so zum günstigen Lebensunterhalt der Familie bei.

    Haushaltunterricht
    © Fotoarchiv der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde, Berufsberatung 1930
    Frau beim Abwasch, ca. 1960

    Das Schulsystem, die Wirtschaft und auch die Sozialversicherungen wurden in der Schweiz im 20. Jahrhundert konsequent auf das Modell der Familie mit einem Ernährer und einer Hausfrau ausgerichtet, die unentgeltlich für das Wohl ihres Gatten und ihrer Kinder arbeitet.

    Frau beim Abwasch, ca. 1960
    © Landesmuseum
    Tramchauffeur

    Das Hausfrauenmodell war in der Schweiz so erfolgreich, weil es von der Linken wie von der Rechten getragen wurde und weil die Schweiz im Unterschied zu anderen europäischen Ländern im 2. Weltkrieg kaum Opfer zu beklagen hatte.

    Darum setzten sich auch die Gewerkschaften massiv für Ernäherlöhnen ein und verteidigten beispielsweise die Tramchauffeure dagegen, dass sie Frauen als Fahrerinnen zuliessen.

    Tramchauffeur
    © Schweizerisches Sozialarchiv
    Junge Frauen, die im Welschlandjahr als Haushalthilfen arbeiten

    Die Hausfrau ist eine Erfindung bürgerlicher Männer des 19. Jahrhunderts. Durch Hausfrauen konnten die Kosten für das Hauspersonal gespart werden und den Männern wurde durch sie der Rücken gestärkt, damit wurden sie wirtschaftlich leistungsfähiger

    Evke Rulffes, Die Erfindung der Hausfrau. Geschichte einer Entwertung, 2021
    Kochen nach dem Fülscher Kochbuch
    Kochen nach dem Fülscher Kochbuch
    Bild: Riz Colonial aus dem Fülscher Kochbuch ca. 1959
    Die Qualität der Hausfrau wurde an ihrem Aufwand in der Küche gemessen.
    Eine Hausfrau musste in der Küche auch für Abwechslung sorgen.
    Während für die Familie auch einfach gekocht werden durfte, erwarteten Gäste mehr.
    An Einladungen von Geschäftsfreunden des Ehemannes wurde das Können der Hausfrau kritisch begutachtet
    Höhere Töchter lernten nicht nur gute Hausfrauen zu sein, sie sprachen oft auch mehrere Sprachen und waren gute Gastgeberinnen
    Wenn ein Mann gut verdiente, wollte er nicht, dass seine Frau erwerbstätig war, eine Hausfrau zuhause war auch ein Statussymbol.
    Riz Colonial war ein besonderes Gericht, mit dem eine Hausfrau ihr Können beweisen konnte
    Kochen nach dem Fülscher Kochbuch
    Bild: Riz Colonial aus dem Fülscher Kochbuch ca. 1959

    Das Wirtschaftswunder nach dem 2. Weltkrieg, machte auch die hohe Zahl an Hausfrauen möglich. Eine geschlechtergerechtere Arbeite- und Rollenteilung macht bis heute massive Anpassungen in den Sozialversicherungssystemen, bei den Steuern und im Schulsystem nötig.

    Leitbild für die Schweizer Hausfrauenküche war „der Fülscher“, ein Kochbuch das 1923 zum ersten Mal erschienen war und bis 1966 sechs Neuauflagen erfuhr. Es war Leitmedium für die Schweizer Hausfrau aus dem oberen Mittelstand. Mit seinen 1700 Rezepten gilt es bis heute als Standardwerk

    Riz Casimir war ein Standardgericht der gehobenen Hausfrauenküche, oben abgebildet ist Riz Colonial, die Variante mit Crevetten.


    Hausfrau zu sein ist die Bestimmung der Schweizer Frau.

    Das Hausfrauenmodell wurde in die nationale Identität eingebaut

    Hausfrau zu werden, war bis in die 80er Jahre keine Berufswahl, sondern Bestimmung einer verheirateten Frau, besonders wenn sie Kinder hatte. Technische Hilfsmittel wie vorgefertigte Lebensmittel oder Abwaschmaschinen waren in der Schweiz lange verpönt.

    Hausfrau sein, bedeutete auch immer einem Konkurrenzkampf ausgesetzt zu sein. Donna Ideale: der Wettbewerb um die beste Hausfrau 1967.

    Frau mit Kind im Sandkasten

    Ab den 1980er Jahren war es unmodern, nur Hausfrau zu sein.

    Viele Hausfrauen nahmen Teilzeitstellen an, meist weit unter dem Niveau ihrer Berufsausbildung.

    Frau mit Kind im Sandkasten
    © Landesmuseum
    Schneiderin in Trikot-Schneiderei 1963

    Heute sind die Frauen gleich gut ausgebildet wie die Männer. Beim aktuellen Fachkräftemangel in der Wirtschaft fehlen die Frauen, wenn sie bei Mutterschaft jahrelang voll oder teilweise aus dem Arbeitsmarkt aussteigen.

    Schneiderin in Trikot-Schneiderei 1963
    ©ETH Bibliothek, Comet Photo, Baumann Heinz 1963
    Waschen 1980
    Hausmänner sind selten

    Für eine geschlechtergerechtere Arbeitsteilung muss auch die Haus- und Familienarbeit besser zwischen Männern und Frauen aufgeteilt werden.

    Junge Männer beteiligen sich heute stärker an der Hausarbeit als früher

    Die Bilder sitzen tief. Noch heute interessieren sich junge Männer wenig für Hausarbeiten und junge Frauen wenig für technische Arbeiten.

    Auch heute entscheidet sich Gleichstellung in erster Linie in der Arbeitsteilung im Familienbereich. Für neue Lösungen braucht es die Männer und die Frauen.

    Tour created by Lynn Blattmann

    Thanks for taking the tour!

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