Riem GG 2025 15 Politik – Interview

Katja Riem

Katja Riem ist seit 2023 für die SVP im Nationalrat tätig. Zudem arbeitet die gelernte "Büürin" und Winzerin auf dem Familienbetrieb in Bern, wo in 5er Generation Wein produziert wird.

Was bedeutet für dich persönlich Männlichkeit?
Für mich bedeutet Männlichkeit Stärke und Schutz. Ein Mann sollte Rückgrat haben, zu seinen Werten stehen und bereit sein, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Gleichzeitig schätze ich es sehr, wenn ein Mann zuverlässig, beschützend und zielstrebig ist. Männlichkeit zeigt sich für mich nicht in Machogehabe, sondern in Charakterfestigkeit und Tatkraft.

Was bedeutet für dich persönlich Weiblichkeit?
Weiblichkeit bedeutet für mich, eine natürliche Mischung aus Stärke und Sanftheit zu leben. Ich finde es schön, wenn eine Frau empathisch, fürsorglich und feinfühlig ist, ohne dabei ihre Ambitionen oder Ziele aufzugeben. Weiblichkeit heißt für mich auch, sich selbst treu zu bleiben – mit Stil, mit Intuition und mit innerer Stärke. Ich bin gerne Frau und empfinde das als etwas sehr Wertvolles. Während Männer natürlicherweise mit Stärke und Durchsetzungsvermögen auftreten, punkten wir Frauen mit emotionaler Intelligenz. Wir können einen Raum lesen und nicht nur dominieren – es ergänzt sich – und das finde ich so wunderbar.


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Was verstehst du unter Geschlechtergerechtigkeit?
Geschlechtergerechtigkeit heißt für mich, dass Frauen und Männer die gleichen Chancen haben – ohne künstliche Bevorzugung oder Quoten. Ich finde, Leistung und Einsatz sollten als Massstab gelten, nicht das Geschlecht. Es geht mir um Respekt auf Augenhöhe und darum, dass jeder Mensch seinen Weg gehen kann, so wie es zu ihm passt. Geschlechtergerechtigkeit hat für mich auch viel mit persönlicher Freiheit zu tun, und diese schätze ich in der Schweiz enorm. Es gibt wohl kaum ein anderes Land, welches so viel persönliche Freiheit ermöglicht wie die Schweiz.

Haderst du manchmal mit deiner Geschlechterrolle?
Eigentlich nicht. Ich bin stolz darauf, eine Frau zu sein, und sehe meine Geschlechterrolle nicht als Einschränkung. Natürlich gibt es Erwartungen und Klischees, aber ich lasse mich davon nicht definieren. Es ist die Chance meiner Generation in diesem Bereich der neue Standard der nächsten Generation vorzuleben – nur so entsteht ein nachhaltiger Wandel in der Gesellschaft, Quoten und Vorgaben wären hier toxisch. Ich finde heute kann man selbst entscheiden, wie traditionell oder modern man seine Rolle leben möchte – genau das ist Freiheit und genau das können wir nun den künftigen Vorbildern vorleben.

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Wer sind deine Vorbilder?
Meine Vorbilder sind alle Menschen – Männer wie Frauen – die mit Integrität leben, Verantwortung übernehmen und etwas Positives bewegen. Frauen, die Familie und Beruf erfolgreich verbinden, inspirieren mich genauso wie Männer, die mit Haltung und Führungsstärke auftreten. Es sind oft nicht Prominente, sondern Menschen aus dem echten Leben, die mich beeindrucken. Im Bereich dieser Fragen wäre dies konkret auch meine Ur-Grosstante Marie Daepp-Riem. Sie hat sich als Präsidentin der Berner Bäuerinnen- und Landfrauen auch für die Einführung des Frauenstimmrechts eingesetzt, ein Entscheid der vor allem auch durch bürgerliche Frauenstimmen zustande kam!

Wann sind für dich Männer und wann Frauen Vorbilder?
Männer wie Frauen sind für mich Vorbilder, wenn sie Charakterstärke zeigen, Ziele verfolgen und für ihre Werte einstehen. Noch beeindruckender finde ich es, wenn sie Selbstbewusstsein mit Empathie verbinden und ihren eigenen Weg gehen, ohne sich verbiegen zu lassen. Für mich spielt das Geschlecht dabei eine untergeordnete Rolle – entscheidend ist der innere Kompass.

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Wann ist es von Vorteil, eine Frau zu sein?
Ich empfinde es oft als Vorteil, Frau zu sein, weil man durch emotionale Intelligenz und Empathie viele Situationen feiner wahrnimmt und dadurch im Beruf wie im Privatleben oft breit abgestimmte Entscheidungen treffen kann. Auch wird einem als Frau manchmal mehr Vertrauen oder Verständnis entgegengebracht.

Wann ist es ein Nachteil, eine Frau zu sein?
Ehrlich gesagt finde ich kaum Nachteile. Sicherlich gibt es manchmal Vorurteile aber diese sehe ich immer auch als Chance vom Gegenteil zu überzeugen und dann eine noch viel bessere Wirkung zu erzeugen.

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Was wünschst du dir bezüglich Geschlechtergerechtigkeit für die nächste Generation?
Ich wünsche mir, dass die nächste Generation lernt, das andere Geschlecht nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu sehen. Dass Frauen wie Männer ihre Stärken leben können, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Und dass Gleichberechtigung bedeutet, Chancen zu öffnen – nicht künstlich Ergebnisse gleichzumachen.

David Fürst ist Fotograf bei Geschlechtergerechter

Sarah Bütikofer ist Leiterin der Redaktion bei Geschlechtergerechter

06.01.2026