Der Begriff “Manosphere” ist ein Sammelbegriff für ein loses Netzwerk von meist im Internet angesiedelten Gruppierungen, die sich für “Männer-themen” einsetzen und anti-feministische Positionen vertreten. Die Manosphere ist ein globales Phänomen und wird wiederholt mit gewalttätigen Ereignissen - online wie auch offline - in Verbindung gebracht.
Mitglieder sind - wie der Name auch sagt - ausschliesslich Männer. Sie sehen sich in der aufkommenden (feministischen) Gesellschaftsordnung als Verlierer. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich: Von (vermeintlich) harmlosen rechtlichen Beratungsstellen für Männer, Fitness-Influencern, die die “Rückkehr der wahren Männlichkeit” propagieren, über Flirt-Unterricht und Manipulationstechniken, bis hin zu offenen Aufrufen zu Gewalt gegen Frauen sowie tatsächlich verübten Attentaten und Feminiziden.
Die Manosphere beinhaltet verschiedene Subgruppen. Obwohl sich diese leicht in ihren Ideologien unterscheiden, verbindet sie alle den Glauben an eine cis-männliche Überlegenheit (male supremacism), die die Unterdrückung von Frauen*, Transpersonen und nicht-binären Menschen legitimiert.
Eine Reaktion auf Gleichberechtigung
Das Aufkommen der Manosphere muss man als Reaktion auf den Feminismus im Westen und die voranschreitende Gleichstellung der Geschlechter verstehen. Dabei lautet das Narrativ, dass der Mann der Frau von Natur aus überlegen ist, der Feminismus die Männer aber ihrer Rechte beraubt und zu Opfer der emanzipierten Gesellschaft gemacht hat.
Der Manosphere liegt keine neue Ideologie zugrunde, sondern speist von tief verankerten patriarchalen Gesellschaftsstrukturen. Die Kernideen der Manosphere sind lediglich die radikale Zuspitzung weit verbreiteter und ‘normaler’ Denkmuster.
Dazu gehört zum Beispiel die “male loneliness epidemic”, also die Tatsache, dass Männer tendenziell weniger Freundschaften pflegen und emotional stark von ihren romantischen Beziehungen zu Frauen abhängig sind. Anstatt, dass eine gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung mit Männlichkeitsidealen stattfindet, findet allzu oft ein Rückzug in die Manosphere statt – wo den Frauen die Schuld für die männliche Vereinsamung gegeben wird. Solche Deutungen reproduzieren patriarchale Geschlechterrollen und blockieren echte Lösungen.
Die Landschaft der Manosphere
Man kann die Manosphere grob in fünf Untergruppen einteilen: Nebst den bekannteren misogynen involuntary celibates (Incels) und den Pick-Up-Artists wie Andrew Tate werden auch die Men’s Rights Activists (MRAs) und die Men Going Their Own Way (MGTOW) dazugezählt. Gewissermassen gehören auch die sogenannten Manfluencer dazu, die anderen Männer dazu verhelfen wollen, ihr Alpha-Mann Potenzial auszuschöpfen, etwa in boot-camps für Männer.
Zum Dunstkreis der Manosphere gehören auch rechtsextreme Parteien, Gruppierungen und Einzelpersonen. Auf gesamtgesellschaftlicher Ebene erscheint dies zunächst als weltweiten (politischen) Rechtsruck. Politiker wie Donald Trump tragen dazu bei, dass das Gedankengut der Manosphere (wieder) salonfähig wird. Nicht nur in den USA werden Wahlkämpfe mit traditionellen Männlichkeitsvorstellungen gewonnen: Auch Europas Rechtspopulisten machen mit der «Rückkehr zur Männlichkeit» und Anti-Feminismus Politik.