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Goldmedaillen zum 12. Mai

Muttertag ist nicht einfach Muttertag, sondern hat Geschichte. Eine Argumentation, wieso wir diesen Feiertag diskutieren sollten.

Diesen Sonntag, dem 12. Mai, feiert die Schweiz den sogenannten Muttertag. Zur Feier des Tages bekommen Mütter gewöhnlich einen Blumenstrauss und ein selbstgebasteltes Geschenk der Kinder. Dies zum Dank für ihren ganzjährlichen Einsatz in Haushalt und Erziehung. An diesem Tag wird die Mutter bedient, sie darf sich ausruhen und die Beine hochlagern, während die restlichen Familienmitglieder sich um ihr Wohlergehen und den restlichen Haushalt kümmern. Freuen tun sich an solch einem Feiertag nicht nur die Mütter, sondern auch die Florist*innen, welche wie beim Valentinstag grosse Umsätze machen.

Die Nationalsozialisten als Mütterverehrer

Hier ein kurzer historischer Einschub, wie der Feiertag zu politischen Zwecken instrumentalisiert wurde. Die Nationalsozialisten haben den Muttertag keineswegs erfunden, sondern ihn lediglich für ihre Zwecke adaptiert. Die Verehrung der mütterlichen Instinkte und Handlungen hat schon lange Tradition. So richtig florierte der Muttertag während der NS-Zeit in Deutschland. Als Nazi-Propaganda wurde der Muttertag als «Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter» eingeführt und zu politischen Zwecken genutzt. So wurde Müttern Medaillen für besondere Gebärleistungen verliehen; ab dem vierten Kind gab es Bronze, ab dem sechsten Kind Silber und für acht oder mehr Kindern eine Medaille in Gold. Je kinderreicher eine Mutter war, desto stärker wurde sie als Heldin des deutschen Volkes zelebriert, da sie «arischen» Nachwuchs förderte. Das Phänomen der Frau als «Gebärmaschine» wird besonders in Krisenzeiten immer wieder mit einer pro-natalistischen Politik gefördert; mehr Kinder bedeutet mehr Arbeitskräfte, welche in der Lage sind, Mehrwert für die Gesellschaft zu erbringen. Mit der Zementierung als Hausfrau wird die Kontrolle und Macht über Frauen beibehalten, und gleichzeitig gewährleistet, dass das kapitalistische System weiterhin funktionieren kann. Denn durch die unbezahlte Reproduktionsarbeit der Mütter werden Kinder erzogen, welche später Steuerzahler*innen und Soldat*innen werden.

Die unbezahlte Care-Arbeit

Die Mutterrolle wandelt sich mit der Zeit: Wurden sie in der Nazizeit als Gebärmaschine mit Medaillen geehrt, gibt es heute noch viele Mütter, die unbezahlte Care-Arbeit leisten und mit einem Blumenstrauss verdankt werden. Gebe ich nämlich Muttertag in der Suchmaschine ein, erscheinen mir erstmal gesponsorte Werbungen von Ifolor und Lindt, Blumenbestellungen und verschnörkelte Briefe. Heute wird der Muttertag von solchen Läden und Firmen gebraucht, um Profit zu schlagen. Die Dankbarkeit wird kommerzialisiert.

Doch reicht es aus, wenn man sich nur einmal im Jahr bei der Mutter bedankt? Natürlich nicht. Mütter müssen heutzutage extrem viel leisten. Nebst unbezahlter Sorge- und Pflegearbeit (sogenannter Care-Arbeit), arbeiten viele in der Teilzeitarbeit und verdienen weniger. Auch erhalten sie dazu auch noch eine tiefe gesellschaftliche Wertschätzung, da die verübten Lohnarbeiten meist weiblich konnotiert werden und dadurch die Arbeit als weniger relevant eingeschätzt wird. So ist mit einem Lohn für die verrichtete Care-Arbeit nur ein Beispiel von vielen, um diese Art der Arbeit anzuerkennen. Es reicht daher nicht aus, wenn zum Muttertag als Dank Blumen geschenkt werden. Es braucht noch immer so viel mehr als das. Ich fordere dich daher auf, dass du dir an diesem Muttertag selbst Gedanken zur ganzen Kommerzialisierung und Geschichte zu machen und deine Dankbarkeit nicht nur auf diesen einen Tag minimieren sollst.


Louise Alberti ist Projektmitarbeiterin und Teil der Redaktion bei Geschlechtergerechter.