Piz buin

Braun ist schön

Vor hundert Jahren wurde das Sonnenbaden populär. Nachdem die Oberschicht Jahrhundertelang peinlich genau auf ihren hellen Teint geachtet hatte, wurde gebräunte Haut zum Zeichen für Sportlichkeit und Fitness und für sinnliche Erotik.

Zeitgleich mit der Einführung des Farbfilms wurde gebräunte Haut attraktiv und passend dazu wurde auch die Sonnencrème erfunden. Sie diente dazu, den Bräunungsprozess so zu optimieren, dass sich die Hautfarbe möglichst rasch in ein knackiges Braun verwandelte. 1933 lancierte eine Tochterfirma von Bayer an den Nordseestränden die Délial Salbe, bald folgte auch L'Oréal mit Ambre Solaire und Piz Buin erfand den Lichtschutzfaktor.

Damit stand der Eroberung der italienischen Badestrände durch bleiche Nordländer:innen nichts mehr im Weg. Ausser natürlich der Umstand, dass die Sonnencrème vornehmlich eine Frauensache blieb, weil sie auch so vermarktet wurde.

Männer mochten die meist parfumierten Sonnenschutzcrèmes nicht besonders, sie wendeten sie höchstens sporadisch an und fingen deshalb öfters einen Sonnenbrand ein. Es erstaunt deshalb nicht, dass heute ältere Männer öfters an Hautkrebs leiden als Frauen.

Braune Haut wird erotisch umgedeutet

Aus heutiger Sicht ist es erstaunlich, wie rasch es gelang, braune Haut, die jahrhundertelang als bäuerisch, ärmlich und unattraktiv galt, umzudeuten in ein erotisches Schlüsselzeichen. Die Kosmetikindustrie hat diesen Wandel mit den Sonnencrèmes massiv unterstützt und begleitet, denn durch den hohen Fettgehalt der Cremes wurde die braune Haut nicht faltig und ledrig, sondern bekam einen leicht öligen Glanz. Dieser Aspekt wurde lange mit leicht braun eingefärbten Sonnenölen unterstützt. Wer nicht rasch genug bräunen konnte, oder keine Zeit dazu hatte, half mit Selbstbräunungsmitteln nach. Weisse und blasse Haut galt fortan als unattraktiv und wirkte unsportlich und ungesund. Dies änderte sich erst, als man die gesundheitlichen Risiken der forcierten Hautbräunung erkannte.

Sonne führt zu Hautkrebs

Die Hautkrebsproblematik wurde vor der Jahrtausendwende publik, als bekannt wurde, dass Sonnenbrand ein wichtiger Auslöser ist für Hautkrebs und als das Ozonloch die Strahlenbelastungen auf der Haut verstärkte.

Darum werden heute die Sonnencrèmes auch von denjenigen angewendet, die gar nicht braun werden wollen. Die Sonnenschutzfaktoren wurden höher und es wurden endlich auch Lotionen produziert, die weniger parfümiert, weniger klebrig und weniger fettig waren als die frühen Sonnencrèmes, die vornehmlich der raschen Bräunung dienten.

Über 3000 verschiedene Sonnenschutzmittel

Heute ist weder eine gebräunte Haut noch eine vornehme Blässe besonders populär. Wichtig ist, dass ein Sonnenbrand unter allen Umständen vermieden wird. Darum wird heute besonders darauf geachtet, dass Kinder keinen Sonnenbrand mehr bekommen können und dass sich Frauen und Männer gleichermassen vor den schädlichen Sonnenstrahlen schützen.

Es ist Sommer, geniessen Sie die Sonne und crèmen sie sich ein und zwar eine halbe Stunde bevor sie nach draussen gehen. Wer die klebrigen Sonnenschutzmittel wie ich nicht mag, kann einen Hut, langärmlige Kleider und lange Hosen anziehen.

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